Die Werke der Lara
Ein mehrschichtiger historischer Roman, der historische Fakten nahtlos mit menschlichen Gefühlen verbindet.
Die Werke der Lara von Autor Herman De Jonghe ist ein mehrschichtiger und gut geschriebener Roman, der Geschichte und gegenwärtige Spannung meisterhaft miteinander verwebt.
Vorab im Buch finden sich zwei Abbildungen, und zwar: „Die Abtei von Tongerlo, wie sie aussah, bevor die französischen Revolutionäre sie dem Abriss preisgaben“ und „Die Belagerung der Burg von Westerlo im Jahr 1583.“
Danach liest du im ersten Kapitel über Fons De Winter, der nach Jahren unerwarteten Besuch von seiner Enkelin Lara bekommt. Bald wird deutlich, dass sie auf der Flucht vor ihren gefährlichen Liebhabern ist und ein Versteck sucht.
Während des Untertauchens stößt Lara auf ein altes, geheimnisvolles Manuskript aus dem Jahr 1584, geschrieben von einem gewissen Hannes.
Dieses Dokument aus dem fünfzehnten Jahrhundert bringt einen packenden und erschütternden Konflikt zwischen Hannes und seinem geliebten Bruder ans Licht, vor dem Hintergrund der spanischen Besatzungsjahre und der brutalen Unterdrückung der einheimischen Bevölkerung.
Während Lara sich mit großem Einsatz in die Übersetzung stürzt, um ihrem Leben eine neue Wendung zu geben, kommen ihre Verfolger immer näher. Die Frage drängt sich auf: Gelingt es ihr, über Fons’ verhassten Bruder Ivo den Fängen ihrer Verfolger zu entkommen, und kann das alte Handschrift die zerbrochenen Bande aus der Gegenwart wieder kitten?
Die beiden Handlungsstränge, der eine in der Gegenwart mit Kapiteln und der andere, der in der Vergangenheit spielt und immer wieder auf „das Buch“ verweist, wechseln sich ab und verstärken sich beim Lesen gegenseitig. Das hat der Autor sehr geschickt gemacht. Dadurch wird der Lesegenuss noch gesteigert.
De Jonghe versteht es, das Leben während der spanischen Besatzung äußerst anschaulich darzustellen. Du wähnst dich als Leser als Statist in der Geschichte, auch dank der beeindruckenden Aufmerksamkeit für scheinbar kleine Nebensächlichkeiten, die dem historischen Kontext eine lebendige Färbung verleihen.
'Kurz nach deinem Besuch erreichte uns aus Brüssel die Nachricht, dass eine große Soldatenbande aus dem Norden des Herzogtums herabgezogen kam und, die Verwirrung des spanischen Heeres ausnutzend, Stadt um Stadt eroberte. Turnhout lag in ihrem Visier, Herentals hatte die Tore schon geöffnet. Die Briefe beschönigten nichts, unter den Spaniern herrschte Panik.'
Der Roman zieht einen subtilen, aber äußerst wirkungsvollen Vergleich mit der biblischen Geschichte von Kain und Abel, um die zerstörerische Dynamik des Bruderstreits zu zeichnen. Vorab im Buch hat der Autor eine Stelle aus Genesis 4,8 über Kain und Abel angeführt.
'Er hatte die Wahl. Den Bruch oder den Kredit. Und er entschied sich für die Seite seiner Frau, ohne wirklich zu wissen, was sich zwischen den beiden in jenem Hotelzimmer abgespielt hatte, ohne es wissen zu wollen, und das war ihr Abel-und-Kain-Moment, da war es vorbei zwischen ihm und Fons, die Tür fiel für immer ins Schloss, sie verbannten einander aus ihrer Welt.
Und nun gab es plötzlich eine Brücke zwischen ihnen, eine Brücke namens Lara, die er nicht niederbrennen wollte.'
Der Hintergrund des Autors im Bildungsbereich trägt deutlich Früchte. De Jonghe gelingt es glänzend, eine komplexe historische Epoche und die oft vergessene Rolle der Abteibewohner (wie in der Abtei von Tongerlo) auf eine zugängliche, lehrreiche Weise zu vermitteln.
Die Werken van Lara ist mehr als eine spannende Geschichte; es ist ein Roman, der historische Fakten nahtlos mit menschlichen Gefühlen wie Schuld, Familienbanden und Versöhnung verbindet. Eine absolute Empfehlung für Liebhaber historischer Fiktion mit Tiefgang.
Der Autor
Herman De Jonghe wohnt in Westerlo, unter dem Turm der Abtei von Tongerlo, und debütierte 2008 mit dem Radsportroman Koppenbergblues. Danach veröffentlichte er Bücher in verschiedenen Genres und schrieb für das Theater. Schreiben lag ihm schon immer im Blut.
De Werken van Lara ist sein neunter Roman.
Für weitere Informationen werfen Sie auch einen Blick auf seine Website.
Früher las ich von Herman De Jonghe: Vermoedens
De Werken van Lara erhalten Sie bei (dem Webshop) Ihrer lokalen Buchhandlung oder bei:
bol.
Bruna.nl
Libris
Standaard Boekhandel
Buchangaben
Titel: De Werken van Lara
Autor: Herman De Jonghe
Genre: Roman
Ausgabe: Taschenbuch, 362 Seiten
Verlag: Schrijverspunt, August 2026
ISBN: 9789462668249
NUR: 301
EINE INTERESSANTE, ZEITGEMÄSSE PROJEKTION EINES HISTORISCHEN GESCHEHENS
++ „Es regnete an diesem Morgen wieder erbarmungslos, das Wasser tropfte von unseren Kapmänteln, durchnässte unsere Strümpfe und lief in unsere Stiefel, die Pferde rutschten im Schlamm aus und drohten, uns in den Burggraben zu ziehen“ ++
Originaltitel: De werken van Lara
ISBN: 978 94 626 6824 9
Herausgegeben von: Uitgeverij Schrijverspunt
Seiten: 355
Übersetzung:
Bewertung: ⭐️⭐️⭐️, ½ ⭐️
Der flämische Autor Herman De Jonghe war bis 2002 im Bildungswesen tätig. Dort hat er verschiedene Funktionen durchlaufen und sein Berufsleben als Schuldirektor beendet. Danach dauerte es bis 2008, bis er mit Koppenbergblues debütierte. Anschließend erschienen von ihm mehrere Bücher, darunter Ondergrond, das für den flämischen Hercule-Poirot-Preis nominiert wurde.
Da sein Leben zu einem großen Teil im Zeichen stand, als Lehrer junge Menschen mit Wissen zu versorgen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass ein Werk von ihm erscheint, das Bildung als roten Faden hat. Die Ins und Outs der Bildungswelt kennt er wie kaum ein anderer, ohne damit gesagt zu haben, dass das, was sich in seinem Buch ‘Vermoedens’ abspielt, als Norm für das Bildungswesen gelten kann. Auf dem erzieherischen Wert seiner geschriebenen Werke aufbauend nimmt auch das kürzlich erschienene De werken van Lara einen prominenten Platz ein.
In der Abtei von Tongerlo wird ein altes, eingemauertes Buch gefunden. Das Buch gelangt zu Fons De Winter, der es vorübergehend von Pater Felix aus der Abtei zur Aufbewahrung erhalten hat. Als er unerwartet Besuch von seiner Enkelin Lara bekommt, dauert es nicht lange, bis die junge Frau das Buch entdeckt. Nachdem sie das Innere gesehen hat, wird sie begeistert und schlägt vor, den Inhalt, der Ende des sechzehnten Jahrhunderts niedergeschrieben wurde, in die heutige moderne Sprache zu übertragen, die leicht lesbar ist. Fons stimmt zu, unter dem Versprechen, dass das Buch das Haus nicht verlassen wird. Das ist kein Problem, Lara hatte ohnehin vor, eine Zeit lang bei ihrem Opa zu bleiben. Was der Grund für den unerwarteten Besuch ist, bleibt vorerst unbekannt…
Danach folgen immer wieder übertragene Abschnitte aus dem Buch, die die Situation in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts beschreiben. Das Buch wurde von Hannes Van der Meulen geschrieben, und der Inhalt richtet sich an seinen Bruder Claas.
Als sich nach kurzer Zeit Laras Freund, Maarten Westhoven, meldet, wird Fons sehr neugierig, was los ist, zumal Maarten ebenfalls bei ihm einzieht. Die übertragenen Textabschnitte gelangen nach und nach zu Fons, und er liest die Geschichte der Situation in jener Zeit.
Als Lara plötzlich verschwunden ist, bleibt ein Päckchen auf dem Tisch zurück, aber darin befindet sich nicht das Buch; Lara hat es doch mitgenommen…
++ „Die Tür des Bauernhofs war aus den Angeln gehoben und lag etwas weiter auf einem Abfallhaufen, die Fenster waren eingeschlagen, im Dach gab es Löcher, durch die Krähen ein- und ausflogen, überall wuchsen Disteln und anderes Unkraut, auch im einst so gepflegten Kräutergarten“ ++
Die beiden Handlungsstränge entwickeln sich parallel nebeneinander. Einerseits die historische Geschichte über das Leben zu Beginn des Achtzigjährigen Krieges in der Region um Tongerlo und Westerlo, andererseits das Leben von Lara. Dabei dominiert die historische Erzählung allerdings das Leben von Lara. Von De Jonghe, einem ehemaligen Mitarbeiter im Bildungswesen, fließt das didaktische Talent beinahe sichtbar heraus, wenn er die Geschichte über das Leben von u.a. Hannes erzählt. Vor der Kulisse der Besetzung durch die Spanier und der Unterdrückung der Bevölkerung in jenen Jahren gelingt es dem Autor, eine anschauliche Geschichte zu Papier zu bringen, in der seine Leser gedanklich als interessierte Statisten umherwandeln. Detailliert, mit viel Aufmerksamkeit für scheinbar weniger wichtige Nebensächlichkeiten, die von ihm zu einer nützlichen Ausschmückung des Lebens in jener Zeit umgestaltet werden.
Auch wenn der Autor nicht angibt, Historiker zu sein, liefert die Grundlage der Geschichte wertvolle Informationen über das Leben, das die Bevölkerung in jener Periode erdulden musste, und über die Rolle der Abteibewohner darin. Der Vergleich von Kain und Abel aus der Bibel wird hier auf einfache, aber wirkungsvolle Weise dargestellt.
Zusammengefasst ist der Roman Die Werke von Lara ein sehr gut geschriebener historischer Roman, dem eine gründliche Recherche des Autors zugrunde liegt. Auch der didaktische Wert dieser Geschichte ist neben der Zerstreuung eine ideale Kombination, um eine nicht unbedeutende Phase der Geschichte an seine Leser zu vermitteln. Und auch hier ist dem Autor wieder voll und ganz gelungen.
Gesamturteil: 3,5 Sterne
Spannung: 3 Sterne
Handlung: 4 Sterne
Lesevergnügen: 4 Sterne
Schreibstil: 4 Sterne
Originalität: 3 Sterne
Psychologie: 3 Sterne
(Wat Cees leest - Cees van Rhienen)